Yvonne im Interview – Eltern im Studium- Folge 6

#ElternimStudium Über das heutige Interview freue ich mich besonders, denn ich darf euch die überaus sympathische und lebensfrohe Yvonne vorstellen. Sie hat den Berufseinstieg bereits gerockt und erzählt, wie sie ihr Studium als alleinerziehende Mutter geschafft hat.


 

Beschreibe dich kurz, deine Lebensumstände und dein Studienfach.
Mittlerweile bin ich keine Studentin mehr und habe meinen Berufseinstieg geschafft. Doch so lange ist das Studium nicht her… Trotzdem versetze ich mich mal einige Jahre zurück und schildere meine damalige Situation 🙂
Alles begann in der Elternzeit meiner Größten – auf einmal haben sich die Lebensumstände geändert und auch ich hatte Lust auf eine neue Herausforderung, so dass ich es mit 29 Jahren noch einmal gewagt habe, die Schulbank zu drücken. Ich habe es mir gut überlegt und erst eine Woche vor Ablauf der Bewerbungsfrist eine Bewerbung abgeschickt. Immerhin fühlte ich mich mit 29 Jahren als „Oma auf dem Campus“, war lange aus der Schulzeit heraus und hatte auch noch ein Kind zu versorgen – als Alleinerziehende nicht wirklich einfach. Aber ich wollte aus meinem Beruf in der Wirtschaft raus und eine etwas solidere Basis für mich und mein Kind (langfristig) schaffen. Also entschied ich mich für ein Lehramtsstudium mit den Hauptrichtungen Kunstpädagogik und Germanistik.

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Was war zuerst da: Kind oder Studium?
Beides ;-). Zu Beginn des Studiums war meine Große 2 Jahre alt und war folglich zuerst da. Zum Abschluss des Bachelor-Studiums kam die Kleinste in mein Leben – da war dann das Studium zuerst da :-).

 

Warum studierst du? (Genauer Berufswunsch, Herzensangelegenheit, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt …….)
Das Studium war eine Herzensangelegenheit, denn als Jugendliche hatte ich keine Chance auf ein Studium – zumindest war das immer das Motto meiner Familie, die mich finanziell nicht unterstützen konnten. Also suchte ich nach meinem Weg, fing eine Ausbildung an, brach sie ab, jobbte und suchte nach Berufen, die mich interessierten. Mit 20 absolvierte ich eine Ausbildung als Reiseverkehrskauffrau und blieb in der Touristik hängen. Viele Jahre arbeitete ich direkt beim Reiseveranstalter und zog an einigen Strippen. Meine Tätigkeit dort beinhaltete jedoch zweimal im Jahr eine Urlaubssperre, die auf lange Sicht mit einem schulpflichtigen Kind und ohne Familie im Rücken nur schwerlich zu meistern gewesen wären. Die Sache mit dem Studium flog mir dann geradewegs zu – in der Jugend hatte ich viele Nachhilfeschüler und auch nach meiner Ausbildung wollte ich in Richtung Berufsschullehramt gehen und habe den sicheren Studienplatz wegen des sehr guten Jobangebots des Reiseveranstalters damals sausen lassen – Karriere machen klang ja auch ganz gut. Doch Kind und Karriere passte dann nicht mehr, weshalb so der unterdrückte Herzenswunsch wieder in den Vordergrund rückte.

 

 

Traumfach oder Notlösung?
Kunst war schon immer mein Traumfach – in einigen Gebieten hab ich sogar etwas Talent :-). Germanistik war dann die Notlösung, denn eigentlich wollte ich viel lieber Anglistik als Hauptfach nehmen. Doch für das Studium hätte ich ein Semester im englischsprachigen Ausland studieren müssen – mit Kind undenkbar. Also wurde es Germanistik, das ich als Schülerin gar nicht mochte und im Studium durch andere Sichtweisen lieben gelernt habe.

 

 

Wie organisierst du deinen Alltag?
Als Studierende mit Kind hatte ich Sonderrechte. In meiner Uni gab es dafür einen Zusatz in der Matrikelnummer, so dass alle Eltern (es gab dort übrigens sehr viele) mit diesem Zusatz ein Vorrecht auf Seminarplätze und andere Vorteile in Bezug auf Zeitfenster für Benotungen, Krankheitsstunden, etc. hatten. So habe ich viele Blockseminare an Wochenende oder aber auch Vormittagsseminare gewählt, während die Große im Kindergarten war. Ab und zu haben auch mal Freunde oder die Oma mit der Betreuung ausgeholfen. Alle anderen Alltagstätigkeiten wurden irgendwo dazwischen gequetscht und Lernen fand am Abend statt. Irgendwie ging das immer. Als die Kleine auf der Welt war, hatte ich Unterstützung durch eine Tagesmutter. Zu Beginn hatte ich sie mit in die Uni genommen. Dort gab es auch einen Familienraum mit Wickelmöglichkeiten, Spiellandschaften, Schreibtisch, Sofa, Flaschenwärmer usw. Manchmal hat man sich dort auch für eine Betreuungsbörse organisiert, in dem immer mal jemand anderes auf die schlafenden Babys aufgepasst hat. Die Dozenten hatten sich schnell an den Anblick von bunten Kinderwagen gewöhnt und auch wenn im Seminarraum in einer Ecke gestillt wurde, hat niemand blöd geschaut. Es war alles sehr familienfreundlich!

Yvonne M.

Yvonne M.

 

 

Welche Schwierigkeiten hast du bei der Vereinbarkeit von Familie und Studium?
Nur die ganz normalen Schwierigkeiten, de andere Alleinerziehende auch bei der Vereinbarkeit von Familien und Beruf hatten. Man lernt, sich zu organisieren!

 

 

Welche Hilfen hast du im Alltag?
Viele Antworten habe ich schon be der Organisation des Alltags beschrieben 🙂 Hervorheben möchte ich allerdings noch die Hilfsbereitschaft vieler Kommilitonen, die zu Freunden wurden und ebenfalls Mütter sind – geteiltes Leid ist halbes Leid.

 

Wie finanzierst du dein Leben und dein Studium?
Für die Kinder wurde durch Unterhalt und Kindergeld gesorgt. Es gab noch gutes Bafög und zwischendrin auch mal Wohngeld – arbeiten musste ich Gott sei Dank nicht noch nebenbei! Das hätte ich bestimmt nicht gepackt…

 

Wann und wie lernst du? Nutzt du bestimmte Lernstrategien?
Ich habe abends oder an freien Tagen gelernt. In Lernphasen sah es auch immer sehr wüst aus, da ich schon immer ein visueller Typ war und mir gefühlte tausend Lernzettel geschrieben habe – so mit Icons, vielen Farben und auch sonstigen kreativen Einfällen.

 

Wie sind die Reaktionen von deinen Kommilitonen? Wie unterscheidet sch dein Studienalltag von kinderlosen Studenten?
Die Reaktionen waren durchweg positiv. Es war auch immer wieder Verständnis da, dass ich mich halt nicht abends mal eben beim Italiener treffen konnte oder bei Studentenfeten anzutreffen war. Mit Kindern hat man eben nicht so ein ungebundenes Leben, aber dafür waren wir Mütter (ich muss das jetzt mal so sagen) in den Seminaren meistens deutlich organisierter und besser vorbereitet als die jüngeren Kommilitonen, die teilweise noch in den Tag hineinleben konnten. Es hat halt eben alles Vor- und Nachteile!

 

Was würdest du anderen Studenten mit Kind auf den Weg geben?
Seid mutig und verliert euch nicht selbst aus den Augen. Es gibt Tage, die sind sehr hart, aber dennoch solche, die nicht mehr zu missen sind. Genau wie euere Kinder Phasen erleben und sich nach Entwicklungsschüben wieder ruhiger zeigen, ist auch das Studium in solche Phasen unterteilt.
Geht stark aus dem Studium hervor, denn ihr habt doppelte Arbeit geleistet: Kind und Studium! Das sind unschlagbare Vorteile für ein Organisationsmanagement, die auf dem späteren Arbeitsmarkt in keinem Vorstellungsgespräch unterschlagen werden dürfen.
Falls eure Uni noch nicht familiengerecht ist, wagt den ersten Schritt. Auch wenn ihr euch vielleicht als Exoten auf dem Campus fühlt, es werden immer weitere Eltern folgen, die dankbar für geebnete Wege sind.

 

Mehr von Yvonne könnt ihr auf ihrem Blog, auf Facebook oder auf Twitter lesen und.

 

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