Tanja im Interview – Eltern im Studium- Folge 3

#ElternimStudium Es ist wieder Mittwoch und damit Zeit für einen neuen Teil der Interviewreihe: Eltern im Studium – Das Interview! Heute stelle ich euch Tanja vor. Sie hat erst vor kurzem ihr Abitur auf dem zweiten Bildungsweg nachgeholt und studiert nun ihr Traumfach: soziale Arbeit. Und Mutter ist sie natürlich auch 😉 Viel Spaß beim Lesen


 

Tanja von www.helden-familie.de

Tanja von www.helden-familie.de

Beschreibe dich kurz, deine Lebensumstände und dein Studienfach.
Ich bin 29 Jahre alt, habe 2 Töchter (11 Jahre; 10 Monate), habe damals eine Ausbildung zur Kauffrau im Groß- und Außenhandel gemacht und studiere nun im 1. Semester Soziale Arbeit. Mein Verlobter studiert, nachdem er den Bachelor in Biologie gemacht hat, nun noch Chemie. Wir versuchen beide im Studium möglichst schnell weiter zu kommen, die Kinder aber nicht fremdbetreuen zu lassen.

 

 

Was war zuerst da: Kind oder Studium?
Die Kinder waren zuerst da. Die Kleine wollten wir bewusst zum Studium bekommen. Gerade weil wir beide schon älter sind, wollen wir unsere Familienplanung im Studium abschließen und uns hinterher nur noch auf den Job konzentrieren.

 

Warum studierst du? (Genauer Berufswunsch, Herzensangelegenheit, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt …….)
Nach dem Abschluss meiner Ausbildung habe ich festgestellt, dass ich sie mir hätte auch sparen können. Ich wurde nicht eingestellt, hatte nur wenige Vorstellungsgespräche. Überhaupt war es schwierig, eine Ausschreibung zu finden, die zu meiner Ausbildung passte. Überall wurde das Diplom oder der Handelsfachwirt vorausgesetzt – ich hatte nicht einmal Berufserfahrungen, womit ich hätte punkten können. Ich arbeitete mal hier, mal da, aber nichts entsprach meiner Ausbildung. Ursprünglich wollte ich dann mein Abitur nachholen, um den Handelsfachwirt zu machen, aber mitten im Abi wurde mir dann klar, dass ich jetzt doch noch studieren kann – ein Traum, den ich zwar mit 16 hatte, mir aber nicht zutraute, es wirklich zu schaffen.

Quelle: www.helden-familie.de

Quelle: www.helden-familie.de

Traumfach oder Notlösung?
Logisch wäre sicherlich gewesen, BWL zu studieren. Aber mal ehrlich, gibt es nicht schon genug BWLer? Anfangs wollte ich irgendwas mit Webdesign oder Fotografie studieren, weil an diesen Dingen mein Herz hängt. Ich hab dann aber schnell gemerkt, dass es gar nicht so einfach ist eine Uni zu finden, die das anbietet und für mich erreichbar ist. Genauer darüber nachgedacht war ich auch gar nicht mehr sicher, ob es wirklich so schön ist, das Hobby zum Beruf zu machen. Ich entschied mich also für etwas, das der Gesellschaft etwas zurück gibt, etwas, wo ich Menschen helfen kann und was mich auch persönlich weiter bringt. Das klingt jetzt arg nach Notlösung, aber schon nach den ersten Wochen des Studiums wurde mir klar, dass es wirklich das ist, was ich beruflich machen möchte.

 

Wie organisierst du deinen Alltag?
Ich bin ehrlich gesagt immer noch dabei, meinen Flow zu finden. Es ist so viel schwieriger, als ich es mir vorgestellt habe. Wenn ich nicht an der Uni bin, hab ich das Baby da und der Mann ist an der Uni. Nebenbei was zu lernen oder an einer Hausarbeit zu schreiben ist undenkbar. Stattdessen versuche ich das nötigste im Haushalt zu erledigen und verschiebe Uni-Kram.

 

Welche Schwierigkeiten hast du bei der Vereinbarkeit von Familie und Studium?
Da wir aktuell keine Fremdbetreuung für das Baby wollen, ist wohl die größte Schwierigkeit, unsere Stundenpläne aufeinander abzustimmen, was für die Uni zu tun und den Haushalt im Griff zu behalten. Dabei hat der Mann deutlich mehr im Selbststudium zu erledigen, weshalb er mehr anwesend sein muss für weniger Leistungspunkte, als es bei mir der Fall ist.
Auch Gruppenarbeit in Seminaren ist ganz schwierig zu vereinbaren. Wenn ich keine Veranstaltung hab, kann ich trotzdem nicht mal eben weg, weil der Mann dann an der Uni ist. Das war im letzten Semester teilweise wirklich blöd, weil ich an einem Tag in der Woche für 2 Std. Zeit hatte, was bei 6 Leuten kaum unter einen Hut zu kriegen war. Am Ende haben wir das meiste via Messenger klären müssen.

 

Welche Hilfen hast du im Alltag?
Außer den Mann? Keine. Aber das ist bewusst so gewählt.

 

Wie finanzierst du dein Leben und dein Studium?
Ich bekomme BAföG und schreibe immer mal wieder redaktionelle Texte. Der Mann kauft defekte Smartphones, repariert und verkauft sie wieder. Außerdem geht er in den Semesterferien arbeiten. Dazu kommen noch Kindergeld für die Mädchen und Elterngeld.

 

Wann und wie lernst du? Nutzt du bestimmte Lernstrategien?
Für das erste Semester muss(te) ich zwei Hausarbeiten schreiben und konnte an einer Klausur teilnehmen. Eine der Hausarbeiten steht noch aus, die andere hab ich schon abgegeben. Sie zu schreiben war gar nicht mal so einfach. Im Semester selbst hatte ich keine Zeit mich vollständig mit dem Thema auseinanderzusetzen. Immer mal hier und mal da ein bisschen, aber das reichte nicht aus. Das hab ich dann am Ende gemerkt, als ich die letzten 3 Tage vor der Abgabe bis tief in die Nacht und die letzte Nacht sogar komplett durch schrieb. Das war keine gute Strategie. Allerdings hab ich dabei festgestellt, dass ich eher der Typ bin, der abends besser arbeiten kann. Tagsüber geht das gar nicht. Auch wenn der Mann sich um das Baby kümmert, bin ich immer mit halbem Ohr bei ihnen und kann mich nicht konzentrieren. Also ist meine Strategie wohl, alles abends zu erledigen.

 

Wie sind die Reaktionen von deinen Kommilitonen? Wie unterscheidet sich dein Studienalltag von kinderlosen Studenten?
Generell erwähne ich die Kinder eher seltener und bin an der Uni eine Studentin, wie jede andere auch. Erzähle ich mal was, reagieren die meisten verwundert bis bewundernd. Zum einen können sie sich gar nicht vorstellen, wie das Studieren mit zwei Kindern ist. Zum anderen sieht man mir mein Alter (angeblich 😉 ) nicht an. Andererseits gab es aber auch genervte Reaktionen, wie bei der Gruppe, mit der ich eine Methode vorstellen musste.
Natürlich kann ich meine Zeit nicht frei verplanen, wie es die anderen können. Da bekomme ich schon mal mit, dass sie sich nach der Vorlesung hinlegen, am Wochenende zu den Eltern fahren, um ihre Wäsche waschen zu lassen oder einfach dauernd Party machen – das geht bei mir natürlich alles nicht. Wenn ich nach Hause komme, warten das Baby, der Haushalt und der Herd auf mich. Ich kann nicht frei entscheiden, wann ich lernen oder was für die Uni tun möchte, ich richte mich da nach meiner Familie, weil meine Zeit sie ebenso betrifft. Ich sehe das aber nicht als Einschränkung, sondern vielmehr als Gewinn. Wenn ich nach einem langen Uni-Tag nach Hause komme, ist Zuhause mein Ruhepol, egal wie trubelig es grad sein mag.

 

Studieren mit Kind(ern): nicht immer einfach, aber machbar! Quelle: www.heldenfamilie.de

Studieren mit Kind(ern): nicht immer einfach, aber machbar! Quelle: www.heldenfamilie.de

 

Was würdest du anderen Studenten mit Kind auf den Weg geben?
Studieren mit Kind ist in der Theorie einfacher, als in der Praxis. Trotzdem würde ich es immer wieder genauso machen, denn im Job wäre ich noch weniger flexibel, als es jetzt der Fall ist. Wenn eins der Kinder krank ist, kann ich Zuhause bleiben und mich drum kümmern – im Job ist das deutlich schwieriger. Ich denke dass das Studium die beste Zeit ist, um Kinder zu kriegen, nie wieder ist man so flexibel.
Organisation ist alles! 😉

 


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