Studieren ohne Abitur – Alternative Abschlüsse und wo man studieren kann

#StudierenohneAbitur Wer studieren möchte, der muss das Abi machen. Dieses Bild herrscht immer noch in vielen Köpfen vor und hält so manchen davon ab, ein Studium zu beginnen. In dem Beitrag „der dritte Bildungsweg: Studieren ohne Abitur“, hat Miriam schon aufgezeigt, dass man auch ohne Abi den Weg an die Hochschule schaffen kann. Ich möchte heute über weitere Wege berichten, die man nutzen kann, um sich den Wunsch vom Studium zu erfüllen, ohne dafür noch mal die Schulbank drücken zu müssen.(Gastbeitrag)

Image by Lifetimestock.com

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1. Welche Abschlüsse in Deutschland gibt es, die einem ein Studium ermöglichen?

2. Konkretes Beispiel: Mein Weg – Psychologie-Studium ohne Abitur

3. Stolpersteine, die einem den Weg erschweren können

 

 

1. Abschlüsse in Deutschland, die einem ein Studium ermöglichen:

 

a) Allgemeine Hochschulreife

Die allgemeine Hochschulreife, kurz das Abitur, ist in Deutschland der bekannteste Abschluss, um ein Studium zu beginnen. Das Abitur erreicht man, wenn man die gymnasiale Oberstufe besucht und die Abiturprüfung nach der 12. (G8) oder 13. Klasse (G9) besteht.

Das Abitur ermöglicht einem, an jeder Fachhochschule und jeder Universität jeden Studiengang zu belegen.

 

b) Fachgebundene Hochschulreife

Die fachgebundene Hochschulreife kann man sowohl an der gymnasialen Oberstufe, als auch an (Berufs-)Oberschulen, Berufsschulen und Berufskollegs erwerben. Im Gegensatz zur allgemeinen Hochschulreife muss man dazu keine zweite Fremdsprache belegen.

Mit diesem Abschluss ist man berechtigt, an Universität und Fachhochschulen die Studiengänge zu belegen, die im Zeugnis aufgeführt werden. Dies bedeutet, dass man sich nicht für alle Studiengänge bewerben kann, sondern die Kernfächer ausschlaggebend sind.

 

c) Fachhochschulreife

Die Fachhochschulreife besteht aus einem schulischen und einem berufsbezogenen Teil. Das heißt, dass man die Schule ein Jahr vor Erreichen des Abiturs verlässt (also nach der 11. (G8) oder 12. Klasse (G9)) und dann ein 6- oder 12-monatiges Praktikum oder eine Berufsausbildung anschließt.

Mit diesem Abschluss ist man berechtigt an allen Fachhochschulen jedes Studienfach zu belegen. An einer Universität kann man hingegen nicht studieren (wobei einige Hochschulen da in bestimmten Fächern Ausnahmen machen, ein Blick in die einzelnen Hochschulordnungen kann sich also lohnen).

Das Fachabitur ist im übrigen kein eigener Abschluss, sondern bezeichnet meist entweder die fachgebundene Hochschulreife oder die Fachhochschulreife, weshalb der Begriff zu Missverständnissen führen kann.

 

2. Mein Weg – Psychologie-Studium ohne Abitur

Um ehrlich zu sein, ich habe mein Abi gemacht. Allerdings mehr schlecht als recht und mit einem Durchschnitt von 2,4 hat man in Deutschland in der Regel keine Chance auf einen Studienplatz in Psychologie, was aber mein absoluter Traum war. Darum entschied ich mich nach dem Abi zunächst dazu eine Ausbildung zur Erzieherin zu machen.

Was ich nicht wusste: Die Ausbildung zur Erzieherin ist in Deutschland eine schulische, die mit dem Erwerb der fachgebundenen Hochschulreife endet, also mit dem Abschluss, der einen berechtigt an Fachhochschulen und Unis bestimmte Fächer zu studieren. Im diesem Fall berechtigt der Abschluss dazu pädagogische Studiengänge zu belegen (Sozialpädagogik, Erziehungswissenschaften, Lehramt) und Psychologie.

 

Nach der 3-jährigen Ausbildung (ich konnte dank meines Abis ein Jahr verkürzen), erhielt ich meinen Abschluss und bewarb mich daraufhin an allen Unis für den Studiengang Psychologie. Da ich mein Abi hatte, bewarb ich mich mit diesem und führte nur am Rande auf, dass ich die Ausbildung zur Erzieherin gemacht hatte.

Als die ersten Absagen eintrudelten, war ich ziemlich geknickt. Doch dann kam ein Anruf, mit dem ich nie gerechnet hätte: Die Uni Bamberg rief bei mir an und sagte mir, ich solle mich doch bitte mit meinem Berufsabschluss-Zeugnis bewerben, da ich dann deutlich höhere Chancen auf einen Studienplatz hätte. Ich musste dann noch zu einem Beratungsgespräch nach Bamberg und bekam danach tatsächlich die Zusage für einen Studienplatz.

 

3. Stolpersteine, die einem den Weg erschweren können

Viele Fragen sich nun wahrscheinlich, warum ich mich nicht gleich mit dem Abschluss-Zeugnis der Ausbildung beworben habe. Das liegt an einer kleinen aber sehr gemeinen Regelung: Wer einen Abschluss erworben hat, kann keinen Abschluss mehr erlangen, der unter diesem liegt. Wenn man sich die verschiedenen Schulabschlüsse vergleicht, ist das Abitur ist der höchste Abschluss und die fachgebundene Hochschulreife liegt darunter. Darum bekam ich diesen Abschluss nicht, als ich die Ausbildung beendete. Während alle meine „Kollegen“ ein Zeugnis bekamen, auf dem deutlich „…erlangte die fachgebundene Hochschulreife mit einem Durchschnitt von…“ stand, bekam ich lediglich ein einfaches Zeugnis.

Zudem heiß es in den Vorgaben der Hochschulen oft „Zugang für beruflich qualifizierte ohne allgemeine Hochschulreife“, was bei mir ja nicht zutraf.

Insgesamt habe ich mich dadurch häufig geärgert, mein Abi überhaupt gemacht zu haben. Während viele, die in der Ausbildung deutlich schlechter abschnitten als ich, sich ihren Studienplatz aussuchen konnte, bekam ich meinen Studienplatz nur mit viel Glück. Ich kann somit immer nur empfehlen, dass alle, die schon ganz sicher wissen, in welche Richtung sie einmal gehen wollen genau überlegen, ob sie dazu wirklich das Abitur benötigen, oder ob es nicht Alternativen gibt, mit denen man dieses Ziel noch besser erreichen kann.

Ein weiteres Thema, um das ich mir im Vorfeld viel zu wenig Gedanken gemacht hatte, war die Finanzierung. Da die Ausbildung zur Erzieherin eine schulische ist, bekommt man dafür kein Geld, obwohl man teilweise die halbe Woche in Kindergärten und Co. arbeitet. Dafür hat man Anspruch auf Schüler-BAföG. Schüler-BAföG unterscheidet sich vom Studi-BAföG insofern, als dass der Höchstbetrag etwas niedriger ist und man das Geld nicht zurückzahlen muss.

Ich habe während der Ausbildung Schüler-BAföG erhalten und damit meinen Anspruch auf BAföG während des Studiums verwirkt. In Deutschland werden zwar zwei aufeinander aufbauende Ausbildungen oder Studiengänge gefördert, die Ausbildung zur Erzieherin gliedert sich jedoch in zwei Teile (Sozialassistentin + Erzieherin) und wenn man in beiden BAföG bekommt, hat man kein Anspruch mehr auf BAföG in einer weiteren Ausbildung bzw. einem weiteren Studium.

Ich habe mich darüber zunächst geärgert, habe dann jedoch erfahren, dass ich auch sonst kein BAföG für das Studium erhalten hätte. Grund: Mit der Ausbildung zur Erzieherin habe ich einen Berufsabschluss erworben, der für die Aufnahme des Studiums nicht notwendig gewesen wäre (da ich das Abi schon hatte). Mein Berater in Bamberg sagte mir, dass ich dadurch keinen Anspruch mehr auf BAföG hätte.

Insgesamt gibt es also deutlich mehr Wege ein Studium aufnehmen zu können, als nur das Abitur. Bedenken sollte man im Vorfeld jedoch, dass dadurch unter Umständen andere Probleme, z. B. finanzieller Art, auftreten können.


Über die Autorin:Ich bin Nele, 26 Jahre alt, Erzieherin und Bachelor-Psychologin. Auf faminino.de schreibe ich über Kinderwunsch, Schwangerschaft, Erziehung und alles, was mich sonst noch bewegt und interessiert.

 

1 comment for “Studieren ohne Abitur – Alternative Abschlüsse und wo man studieren kann

  1. Lia
    Februar 9, 2017 at 2:39 pm

    Ich habe während meines Abis Schülerbafög bekommen, da ich nicht mehr zu Hause wohnte. Für das Bafög im Studium stellte das kein Problem dar. Ich habe es problemlos bekommen.

    LG

    Lia

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