Jenny im Interview – Eltern im Studium- Folge 2

#ElternimStudium Es ist wieder Mittwoch und damit Zeit für einen neuen Teil der Interviewreihe: Eltern im Studium – Das Interview! Im zweiten Teil dieser Reihe stelle ich euch Jennifer vor, die ihr bereits aus dem Studilog oder von ihrem eigenen Blog kennt. Ihr Sohn kam bereits vor dem Studium zur Welt. Seitdem meistert sie den Spagat zwischen Studium und Kind! Wie sie das macht, könnt ihr hier nachlesen.


 

Beschreibe dich kurz, deine Lebensumstände und dein Studienfach.

Mein Name ist Jenny, ich bin 27 Jahre alt und habe einen 7 ½ Jahre alten autistischen Sohn. Wir leben in einer gemütlichen 3 Zimmerwohnung im schönen Trier. Hier geht mein Sohn mit einem Schulbegleiter auf eine Regelgrundschule und ich studiere im 4. Fachsemester nun Sozial- und Organisationspädagogik.

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Was war zuerst da: Kind oder Studium?
Mein Sohn war zuerst da. Er kam 2008 genau 2 Wochen nach meinem Abiball. Mit dem Studium habe ich erst im Wintersemester 2014/2015 angefangen.

 

Warum studierst du? (Genauer Berufswunsch, Herzensangelegenheit, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt …….)
Der Weg zum Studium war eher untypisch. Ich wollte immer eine Kombination aus Theorie und Praxis haben und daher eine Ausbildung machen. Leider bin ich 2-mal gescheitert auf Grund verschiedener Vereinbarkeitsprobleme. Der zweite Ausbildungsversuch war die Erzieherausbildung. Als dies scheiterte habe ich länger überlegt was ich tun kann, um doch einen beruflichen Abschluss zu bekommen und kam auf die Idee nun doch mein Abitur zu nutzen und Sozial- und Organisationspädagogik zu studieren. Nach einer Studienberatung war ich mir dann auch ganz sicher.

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Traumfach oder Notlösung?
Ich würde sagen definitiv Traumfach.

Wie organisierst du deinen Alltag?
Über einen Terminkalender und genaue Strukturierung aller Termine. Wir müssen durch den Autismus meines Sohnes auch sehr strukturiert sein. Aufstehen tu ich um 5:30 Uhr der Sohn um 6 Uhr. Um 6:50 Uhr kommt der Fahrdienst meines Sohnes, um 7:30 Uhr fahr ich entweder zum Praktikum aktuell oder zur Universität. Montags hole ich meinen Sohn um 13:45 Uhr im Hort ab, da wir dann bis 16:30 Uhr Therapien haben, dienstags hole ich ihn um 14:15 Uhr ab wegen weiterer Therapien. Mittwochs, donnerstags und freitags hole ich meinen Sohn nach der Tee Zeit um 16:30 Uhr ab, da ich an diesen Tagen lang Uni habe bzw. lang arbeite. Um 18:30 Uhr gibt es Abendessen, um 19-19:30 Uhr geht mein Sohn ins Bett, dann lerne ich. Ich selber verschwinde gegen 23 Uhr ins Bett. Hinzu kommt, dass von 18:30 Uhr bis 22 Uhr noch mein Freund in der Woche da ist. Am Wochenende entsprechend mehr natürlich.

 

Welche Schwierigkeiten hast du bei der Vereinbarkeit von Familie und Studium?
Puh, ich würde fast behaupten ich habe schon Luxuszustände, da der Hort im Bedarfsfall bis 18 Uhr betreut. Allerdings ist es gerade sehr schwierig Studium, Therapien und Praktikum zu vereinbaren, da mein Freund bis 18 Uhr arbeiten muss und dementsprechend gar nicht in der Betreuung unterstützen kann.

 

Welche Hilfen hast du im Alltag?
Meinen Freund, der mir gerade am Wochenende mal Entlastung bietet und im Haushalt hilft, den Hort und den Familienentlastenden Dienst der mir alle 2 Wochen 6 Stunden zum Lernen verschafft.

 

Wie finanzierst du dein Leben und dein Studium?
Finanzieren tun wir uns über Bafög, Wohngeld, Kindergeld, Unterhalt und Pflegegeld.

 

Wann und wie lernst du? Nutzt du bestimmte Lernstrategien?
Überwiegend lerne ich abends und versuch dabei möglichst Zusammenfassungen zu erstellen und diese mir dann anzueignen. Am Wochenende kann ich alle 4 Wochen tagsüber lernen, wenn mein Exmann da ist und alle 2 Wochen bekomme ich durch den Familienentlastenden Dienst am Samstag 6 Stunden tagsüber.

 

Wie sind die Reaktionen von deinen Kommilitonen? Wie unterscheidet sich dein Studienalltag von kinderlosen Studenten?
Aktuell von den kinderlosen Studenten bewundernd und von denen mit Kindern Verständnis über die uns gemeinsamen Situation. Gerne wird auch gemeinsam mal Frust abgelassen oder zusammen gelernt.
Was würdest du anderen Studenten mit Kind auf den Weg geben?
Definitiv offen mit der Situation umgehen. Wenn man von zig Seminaren auf Grund von Betreuungszeiten nur in ein bestimmtes kann, dann den für das Seminar zuständigen Dozenten anschreiben. Oft wird man dann manuell auf Losverfahren Listen gesetzt. Meine Erfahrung zeigt, dass der offene Umgang auf Verständnis stoßen kann und der Grund Kind lieber angesehen ist als Berufstätigkeit, um in ein bestimmtes Seminar zu kommen. Oft haben Dozenten auch ein offenes Ohr, wenn es Probleme gibt. Ansonsten wenn die Dozenten Schwierigkeiten machen nicht scheuen sich mit dem Familienbüro in Verbindung zu setzen. Des Weiteren setzt euch nicht zu sehr unter Druck. Den Fehler habe ich gemacht. Mittlerweile sag ich mir: Es ist keine Schande 2 Semester mehr zu studieren.


 

Mehr von Jenny gibt es hier: Blog, Facebook, oder ihr stöbert im Studilog!

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