Jenni und Nils im Interview – Eltern im Studium- Folge 4

#ElternimStudium Heute stelle ich euch ein ganz besonderes Gespann im Interview vor:

Jenni und Nils sind junge, studierende Eltern von Zwillingen. Lest selbst, wie die Beiden es schaffen, zwei Kleinkinder, Hund Jobs und ihr Studium zu organisieren – und dabei immer positiv in die Zukunft zu blicken!


 

Beschreibe dich kurz und deine Lebensumstände:

Jenni: Ich bin 24 Jahre alt und studiere Philosophie und Englisch auf Lehramt für Gymnasien und Gesamtschulen. Dieses Semester beende ich mein Studium und gehe im Mai ins Referendariat. Wir wohnen zu viert in einer kleinen Wohnung und unsere Verwandtschaft wohnt anderthalb Stunden Fahrt entfernt. Wir haben hier aber einige sehr gute verlässliche Freunde.

Nils: Ich bin ein 23 Jahre alter Student der evangelischen Theologie und stolzer Zwillingsvater mit einem Faible für Bücher, Podcasts, Technik.#

Jenni Quelle: https://flaviusundbrutus.wordpress.com/

Jenni Quelle: https://flaviusundbrutus.wordpress.com/

Was war zuerst da: Kind oder Studium?

Jenni: Studium. Ich bin im 6. Semester schwanger geworden, war mitten in Bachelorarbeit und Latinum.

Nils: Studium. Wenn auch nur ein Jahr.

 

Warum studierst du? (Genauer Berufswunsch, Herzensangelegenheit, bessere Chancen auf dem Arbeitsmarkt …….)

Jenni: Ich studiere auf Lehramt, weil ich eigentlich immer Lehrerin werden wollte. Englisch war immer mein Lieblingsfach, das Interesse für Philosophie kam später. Ich denke, die Kombination ist nicht schlecht und ich freue mich total auf die Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern.

Nils: Die Kombination der Inhalte im Fach (Geschichte, Altphilologie, Ethik, Dogmatik und dann noch die praktische Theologie) waren für mich die absolute Weiterführung all der Fächer, die mir schon in der Schule gefallen haben.

 

Traumfach oder Notlösung?

Jenni: Traumfach.

Nils: Eigentlich Traumfach, wegen der elenden Pendlerei (pro Unitag 4 Stunden von Tür zu Tür) eher Notlösung. Um das zu vermeiden, würde ich auch gerne was anderes studieren.

 

Wie organisierst du deinen Alltag?

Jenni: Wir überlegen zusammen, was die Prioritäten sind (zum Beispiel jetzt mein Abschluss und mein Referendariat, wegen des Geldes) und entscheiden dann. Bei Krankheit wird spontan geschaut und wichtige (regelmäßige) Termine organisiere ich digital.

Nils: Unsere Uni-Tage haben die Kita-Zeiten der Kinder als Dreh- und Angelpunkt und wir einigen uns darauf, wer dann an welchem Tag die beiden abholt und sich um den Hund kümmert. Jenni kann aber erheblich besser organisieren als ich und meine Antwort könnte für manche Tage auch lauten: Gar nicht.

 

Welche Schwierigkeiten hast du bei der Vereinbarkeit von Familie und Studium?

Jenni: Was nicht schwierig ist, wäre leichter zu beantworten. Es ist zum Beispiel einfach, nicht zu kommen, wenn die Kinder krank sind, weil keine Anwesenheitspflicht besteht. Man kommt auch gut durch Seminare, ohne immer alles zu lesen. Ich hoffe, ich habe gut genug differenzieren können, was für meine Zukunft wichtig war und was nicht. Klausuren kann man auch durch Selbstvorbereitung bestehen, wenn die Uhrzeit der Vorlesung unpassend ist. Da liegt aber auch eine Schwierigkeit: Es braucht ein hohes Maß an Organisationstalent und Selbstdisziplin, vor allem, wenn man wie ich auch möglichst schnell sein Studium zu Ende bringen möchte. Am schwierigsten fand ich aber immer, in der Hierarchie der Uni als Studentin so einen niedrigen Platz zu haben und immer mit den Worten „Diesen Fall hatten wir noch nicht, also gibt es das nicht!“ oder „Der Professor hat viel zu tun!“ als unwichtig abgetan zu werden. Das Verständnis für ein nicht ganz reguläres Studium mit ungeraden Wegen hält sich in Grenzen. Außerdem sollte ich nach Möglichkeit meine Kinder nicht mit in die Seminare bringen. Es gibt auf dem Campus auch keinen Spielplatz oder keinen Ort, wo man sich mit Kindern aufhalten darf. Die Uni nennt sich kinderfreundlich, aber sie ist es noch lange nicht. Ein weiterer Punkt ist die Zeit. Alles, was ich in der Kitazeit nicht schaffe, mache ich nachts, also frühmorgens. Das ist extrem anstrengend. Oder wichtige, gute Seminare, die freitags von 16-18h stattfinden. Vereinbarkeit gibt es nicht, außer man macht sie selbst. Und das ist harte Arbeit.

Nils: Die lange Pendelzeit und dass ich besser in großen ununterbrochenen Blöcken arbeiten kann, was oft verhindert wird. Zum Leidwesen von Jenni bin ich dann auch noch eine absolute Nachteule, die aber dann morgens trotzdem aus dem Bett muss und manchmal ganze Vormittage nicht zu gebrauchen ist.

Flavius und Brutus in der Mensa Quelle: https://flaviusundbrutus.wordpress.com/

Flavius&Brutus in der Mensa Quelle: https://flaviusundbrutus.wordpress.com/

 

Welche Hilfen hast du im Alltag?

Jenni: Mr. Geilo hauptsächlich. Und dann meine Freundinnen. Und ohne die Kita ginge auch nichts.

Nils: Jenni, entgegenkommende Dozenten, die Kita und auch manchmal Freunde, die uns im Fall der Fälle die Kinder abnehmen

 

Wie finanzierst du dein Leben und dein Studium?

Jenni: Ich habe Erspartes, bekomme Unterhalt von meinem… äh… „Vater“  und wir leben relativ sparsam. Außerdem haben wir eine spendable Verwandtschaft.

Nils: Wie mindestens jeder zweite Student: BAföG, Halbwaisenrente, Nebenjob, Kindergeld.

 

Wann und wie lernst du? Nutzt du bestimmte Lernstrategien?

Jenni: Ich musste im Master nur wenige Klausuren schreiben. In Philosophie schreibt man mehr Essays und Hausarbeiten. Die schreibe ich grundsätzlich so: Das Thema wird als Frage formuliert, dann suche ich Literatur (höchstens drei Autoren) und dann formuliere ich das Fazit. Dann die Einleitung für eine schöne Rahmenstruktur, dann den Hauptteil und dann passe ich Anfang und Ende an. Ich arbeite sehr schnell und effizient und schaffe an guten Tagen 2000-2500 vernünftige Wörter. Bei der Masse an Hausarbeiten plus Masterarbeit und Essays war das ein ganz praktisches Talent. Für Klausuren lerne ich unterschiedlich. Für Logik musste ich, wie in Mathe, die Konzepte verstehen und einüben. Und für Wissensabfrage nutze ich Karteikarten. Am besten kann ich mir merken, was ich selbst geschrieben und verbildlicht habe. Und wann? Ganz früh morgens, am liebsten nicht vor 4. Und während schlechter Seminare.

Nils: Wenn ich Zeit habe (z.B. Im Zug) oder wenn ich eigentlich schlafen sollte (was dann sinnloserweise im Zug nachgeholt wird). Meine Lernstrategien sind so rudimentär, dass ich eigentlich gar keine bestimmten hier aufschreiben kann.

 

Wie sind die Reaktionen von deinen Kommilitonen? Wie unterscheidet sich dein Studienalltag von kinderlosen Studenten?

Jenni: Schock, Respekt, Bewunderung. Meist kein Neid. Wer will sich den Stress schon geben? Ich habe Augenringe bis unter die Füße und gehe abends nicht aus, weil ich bis 9 damit beschäftigt bin, Kinder ins Bett zubringen. In meinem ersten Fach, Englisch, bin ich bekannt wie ein bunter Hund. „Ach, die mit den Zwillingen! Dich wollte ich schon immer mal treffen!“. Jeder kennt Studierende mit einem Kind, aber nicht mit Zwillingen. Da sind wir schon etwas crazy. Naja und kinderlose Studierende, die leben ganz anders, glaube ich. Ich liebe es ja, wenn manche nicht wissen, dass ich Kinder habe, und die mir dann von ihrem „Stress“ erzählen. Dann denke ich immer, boar, die können mehr als 3 oder 4 Stunden schlafen und die dürfen immer alleine duschen. Das wertschätzen die gar nicht! Außerdem können kinderlose Studierende ihre Kurse und ihre Zeit ganz anders auswählen und organisieren, sie können in die Bib gehen, wann immer sie wollen, und die meisten haben eben auch mal frei.

Nils: Hmm. 1) Interessiert triffts wohl ganz gut. 2)Weniger Freiheit und Flexibilität (finde ich nicht schlimm) und familienorientiertere Freizeitplanung.

Der Hund ist auch immer mit dabei ;-) Quelle: https://flaviusundbrutus.wordpress.com/

Der Hund ist auch immer mit dabei 😉 Quelle: https://flaviusundbrutus.wordpress.com/

 

Was würdest du anderen Studenten mit Kind auf den Weg geben?

Jenni: Ein Philosoph hat kürzlich zu mir gesagt: „Kinder haben schärft den Blick für das Wesentliche“. Das stimmt auch. Und das sollte man nutzen. Man sollte die Zeit mit den Kindern nutzen und Kompromisse so finden, dass alle Beteiligten zufrieden sind. Und man muss sich nicht scheuen, die Vorteile durch die Kinder in Anspruch zu nehmen. Man hat dafür ja auch den Stress zu Hause. Man muss nicht oberengagiert bei allem sein, sondern gucken, welche Seminare wirklich relevant sind und Anwesenheit erfordern. Und ruhig ehrlich sein und mal sagen: „Kann ich für diesen Kurs eine Ersatzleistung bringen? Ich muss da meine Kinder abholen und kann um die Uhrzeit nicht gut.“ Manchmal hat man Glück und erspart sich Stress. Ich lasse meine Zwillinge auch gern teilhaben und wir halten uns oft in der Uni auf. Sie finden das aufregend und fühlen sich zugehörig. Es hat viele Vorteile, ein Studentenkind zu sein.

Nils: Macht euch kundig, was es für Fördermöglichkeiten gibt und nutzt diese auch. Die erleichtern das Leben teilweise sehr. Nutzt die vorhandene Flexibilität aus und lasst euch nicht vom Zukunftsdruck (Hilfe, ich hab noch so viel vor mir und so wenig erreicht!) lähmen, sondern genießt die Zeit mit euren Kindern. Das würde ich aber auch jedem anderen mit auf den Weg geben.

 

Mehr von Jenni (und Nils) könnt ihr auf ihrem Blog und bei Twitter lesen.

 


 

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